Je nach Herkunftsland sind die Einreisewege und Mittel der Frauen natürlich unterschiedlich. Während neue EU-Bürgerinnen völlig problemlos legal einreisen können, versuchen Frauen aus anderen Ländern Mittel- und Osteuropas entweder mit gefälschten Pässen der neuen EU-Länder einzureisen oder sie begeben sich ohne die notwenigen Dokumente auf die Reise. Denn sie wissen, dass es für mittellose Frauen und Männer nahezu unmöglich ist, ein Schengenvisum zu erhalten. Manchen Frauen ist vor Reiseantritt bewusst, dass sie kein Visum für die Reise haben, andere erfahren es erst im Laufe der Reise

Dort, wo eine Einreise über den Landweg so gut wie unmöglich ist, (z.B. aus Thailand oder Nigeria) reisen die Frauen meist zunächst legal ein. Um diese Reise zu ermöglichen, brauchen sie allerdings Papiere, Einladungen etc. was die Einreisekosten in die Höhe treibt. In der Regel reisen sie mit einem Touristenvisum ein, das drei Monate gültig ist. Danach sind sie entweder "illegal" und somit ähnlich erpressbar wie Frauen, die ganz ohne Dokumente eingereist sind, oder ihnen wird eröffnet, dass sie heiraten können/müssen, um ihren Aufenthalt zumindest zum Schein zu legalisieren.

Viele Frauen willigen in diese Ehen ein, aus Mangel an Alternativen oder in der Hoffnung, dass sie darüber einen (zumindest befristeten) Aufenthaltstatus bekommen. Sie wissen in der Regel nicht, dass ein Aufenthaltsstatus, der auf einer Lüge basiert, immer sehr riskant ist, denn tatsächlich hängt ihre Legalität von der Gunst der Ehemänner ab: eine Meldung an die Ausländerbehörde reicht vollkommen aus, um die Frauen zu illegalisieren - und das auch nach mehreren Jahren in der Ehe. Sie wissen auch nicht, dass die Ehe zwei Jahre Bestand haben muss, wenn sie sich anschließend trotz Trennung weiterhin legal in Deutschland aufhalten wollen. Grundlage hierfür ist § 31 Aufenthaltsgesetz. Wenn die Frauen sich wegen ihrer Ausbeutung an die Behörden wenden würden, würde ihre sog. "Scheinehe" auffliegen und damit die Grundlage ihres Aufenthaltstitels. Daher sind Frauen, die keine andere aufenthaltsrechtliche Perspektive haben, natürlich nicht bereit, gegen die TäterInnen auszusagen.
Bei Razzien fallen die Betroffenen mit den legalen Papieren nicht auf - auch wenn sie Opfer von Menschenhandel sind, denn ein Hauptindiz für die Polizei ist in der Regel der fehlende Aufenthaltsstatus. Wünschenswert wäre daher die Konzentration auf die Arbeitsbedingungen und nicht auf den Aufenthaltsstatus.